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"Lass deine Vergangenheit hinter dir"
"Vergangenheit ist vergangen"
"Um voranzukommen, musst du altes zurücklassen"
So viele dieser Sätze habe ich schon so oft in meinem Leben gehört. Doch hat ein einziger von ihnen mir je geholfen? Nein. Denn hat ein einziger dieser Sätze je einen konkreten Rat enthalten? Nein.
Ich bin kein dummer Mensch. Natürlich weiß ich, dass die Vergangenheit nicht meine Zukunft sein kann. Natürlich weiß ich, dass die Vergangenheit hinter mir liegt und ich doch vorausschauen muss, um voranzukommen. Ich weiß das. Doch ich weiß nicht, wie ich es umsetzen soll.
Die Zeit meiner Jugend liegt hinter mir. Mehr als einen Menschen kann ich zählen, an den zu glauben, auf den zu hoffen ich gewagt habe. Mehr als einem Mensch hat über die Zeit ein Stück meines Herzens gehört. Und mit der Zeit, die vergeht, sind es schwarze Flecken auf meinem Herzen mehr geworden für jeden dieser Menschen, an den ich geglaubt hatte, um enttäuscht zu werden.
Ich weiß, dass sie alle hinter mir liegen. Weiß doch, dass sie aus meinem Leben geschieden sind und nichts hinterlassen haben als einen schwarzen Fleck auf meinem Herzen. Einfach zu ignorieren, leicht zu übersehen, möchte man meinen. Doch hinter jedem Fleck steht ein Mensch, den ich nicht vergessen kann. Und jedem meiner Schritte folgt mir für jeden Fleck ein Mensch. Die Zeit der Jugend liegt hinter mir und es ist so manche Geistergestalt, die alltäglich um mich weilt. Ich habe gelernt, mit ihnen zu leben, auch wenn mich das die Freiheit kostet.
Zu gerne wäre ich unversehrt und frei, doch wer sagt, man müsse einfach nur seine Vergangenheit hinter sich lassen, der hat keine Ahnung, wovon er spricht. Oder er möge mir verraten, wie. Wie...?
17.7.14 23:52


Es gab seit Jahren nur diese eine Phantasie und die doch nur um der Phantasie willen. Der Buntfalke und ich, das ist doch eigentlich seit Jahren schon durch. Wir sind doch schon seit Jahren keine Freunde mehr, nicht mehr, seit er damals gegangen ist. Ich habs nur jetzt erst begriffen.
Und jetzt ist da nichts mehr.


Ich zitiere mich selbst aus einem heute geführten Gespräch mit einem Freund. Und kann nicht fassen, wie weh mir dieser letzte Satz tut.
Der Buntfalke ist eine seit Jahren kultivierte Phantasie, ein abstraktes Konstrukt, dessen Realität ich mir um jeden Preis eingeredet habe. Nun liegt es zerbrochen am Boden und hat ein großes Nichts zurück gelassen. Ein Nichts, das es neu zu füllen gilt.
23.6.14 00:57


Seit Tagen habe ich diese Unruhe in mir. Sie warnt mich vor. Irgendetwas kommt, eine große Veränderung steht bevor. Irgendwie macht sie mir Angst.
In der Vergangenheit habe ich eine Tür geschlossen zu einem Teil von mir, der mich sehr verletzlich gemacht hat. Es ist jemand in meinem Leben, der diese Tür wieder öffnen könnte. Nicht aus Böswill, sondern weil er glaubt, ich könne nur heilen, wenn ich wieder ganz wäre. Hinter dieser Tür ist etwas wichtiges und teures von mir. Ich habe Angst davor, es wieder an die Oberfläche zu holen und dem Angriff zu präsentieren.
Doch vielleicht ist es auch etwas anderes. Vielleicht ist es große Freude, die im Kommen ist. Aber wäre ich ihr gewachsen? Würde ich mich würdig fühlen sie anzunehmen?
Was es auch ist, ob gut oder schlecht, ich hoffe es kommt schnell, denn die Unruhe quält mich.
19.6.14 22:50


Einst fror ich sie ein. Schuf um sie herum und aus ihnen heraus die schönsten Skulpturen aus Eis. All jene Menschen, die meiner Liebe zum Trotz mich nichts als schlecht behandelt hatten, schloss ich ein im harten Wasser, auf dass sie erstrahlten in schönstem Glanz und ihr Anblick mich nicht mehr schmerzen konnte. Viele Monde lang lebte ich mit ihnen im Schatten, denn nur dort konnten sie sein. Es ging mir gut.
Doch ich wollte mehr. Wollte zurück ins Licht, wollte wieder Wärme spüren auf meinem Gesicht, den Sonnenaufgang sehen. Wollte es so sehr, dass ich das Tropfen in meinem Rücken nicht hörte.
Nun stehe ich in der Zwischenwelt. Den Sonnenaufgang links von mir, die Nacht noch auf der rechten Seite. Das Eis ist beinahe fort, die Skulptur beinahe wieder Mensch. Ich kann ihn schon hören, den Schmerz, kann ihn beinahe greifen. Wohin soll ich mich wenden? Zurück in den Schatten, damit mit die Taubheit zurückkehrt mit dem Eis? Oder ins Licht, damit der Schmerz mir auch die Wärme bringt?
12.6.14 22:10


Seit ich denken kann, hatte ich Verantwortung zu tragen. Immer schon hatten wir Tiere und es lag bereits früh an mir, mich um sie zu kümmern. Mit dem Hund rausgehen, die Fische füttern, das Kaninchen säubern. Es ist mehr geworden mit den Jahren. Jedes Jahr ein bisschen. Saugen. Wäsche waschen. Kochen für meinen Bruder. Über die Schulzeit kamen dann so Dinge wie gute Noten und sorgfältiges Betragen dazu. Irgendwann dann Geld verdienen nebenbei. "Unabhängig" sein. Anderen gute Noten verschaffen. Studium. Ausbildung. Job. Der ganz normale Wahnsinn eben. Aber die ganze Zeit immer auch: Mit dem Hund rausgehen. Die Katzen füttern. Die Kaninchen säubern. Das Pferd finanzieren. Stark sein. Mit dem Job kam eine andere Verantwortung. Nicht mehr nur die über mein Leben, das Leben meiner Tiere. Sondern die Verantwortung über das Leben vieler Tiere. Jeden Tag neuer und immer neuer. Tiere fremder Menschen. Die Verantwortung über ihr Leben. Und über das Glück ihrer Besitzer. Und das Leben meiner Tiere. Und ihr Glück. Manchmal, aber nur noch selten, habe ich sogar Gedanken an die Verantwortung über mein eigenes Glück.
Seit ich denken kann, trage ich Verantwortung. Seit Jahrzehnten trage ich so viel Verantwortung in jeder einzelnen Stunde meines Lebens. So lange schon, dass ich so langsam daran zerbreche. Was gäbe ich für einen einzigen Tag ohne Verantwortung. Eine einzige Stunde, in der nicht die Verantwortung hinter all meinen Gedanken läge. Ein paar Minuten Frieden, während denen ich nicht daran denken muss, dass eigentlich wichtigeres zu tun wäre. Einfach nur ein bisschen Frieden.
Denn bald ist meine Kraft erschöpft.
21.4.14 23:04


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