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Einst fror ich sie ein. Schuf um sie herum und aus ihnen heraus die schönsten Skulpturen aus Eis. All jene Menschen, die meiner Liebe zum Trotz mich nichts als schlecht behandelt hatten, schloss ich ein im harten Wasser, auf dass sie erstrahlten in schönstem Glanz und ihr Anblick mich nicht mehr schmerzen konnte. Viele Monde lang lebte ich mit ihnen im Schatten, denn nur dort konnten sie sein. Es ging mir gut.
Doch ich wollte mehr. Wollte zurück ins Licht, wollte wieder Wärme spüren auf meinem Gesicht, den Sonnenaufgang sehen. Wollte es so sehr, dass ich das Tropfen in meinem Rücken nicht hörte.
Nun stehe ich in der Zwischenwelt. Den Sonnenaufgang links von mir, die Nacht noch auf der rechten Seite. Das Eis ist beinahe fort, die Skulptur beinahe wieder Mensch. Ich kann ihn schon hören, den Schmerz, kann ihn beinahe greifen. Wohin soll ich mich wenden? Zurück in den Schatten, damit mit die Taubheit zurückkehrt mit dem Eis? Oder ins Licht, damit der Schmerz mir auch die Wärme bringt?
12.6.14 22:10


Seit ich denken kann, hatte ich Verantwortung zu tragen. Immer schon hatten wir Tiere und es lag bereits früh an mir, mich um sie zu kümmern. Mit dem Hund rausgehen, die Fische füttern, das Kaninchen säubern. Es ist mehr geworden mit den Jahren. Jedes Jahr ein bisschen. Saugen. Wäsche waschen. Kochen für meinen Bruder. Über die Schulzeit kamen dann so Dinge wie gute Noten und sorgfältiges Betragen dazu. Irgendwann dann Geld verdienen nebenbei. "Unabhängig" sein. Anderen gute Noten verschaffen. Studium. Ausbildung. Job. Der ganz normale Wahnsinn eben. Aber die ganze Zeit immer auch: Mit dem Hund rausgehen. Die Katzen füttern. Die Kaninchen säubern. Das Pferd finanzieren. Stark sein. Mit dem Job kam eine andere Verantwortung. Nicht mehr nur die über mein Leben, das Leben meiner Tiere. Sondern die Verantwortung über das Leben vieler Tiere. Jeden Tag neuer und immer neuer. Tiere fremder Menschen. Die Verantwortung über ihr Leben. Und über das Glück ihrer Besitzer. Und das Leben meiner Tiere. Und ihr Glück. Manchmal, aber nur noch selten, habe ich sogar Gedanken an die Verantwortung über mein eigenes Glück.
Seit ich denken kann, trage ich Verantwortung. Seit Jahrzehnten trage ich so viel Verantwortung in jeder einzelnen Stunde meines Lebens. So lange schon, dass ich so langsam daran zerbreche. Was gäbe ich für einen einzigen Tag ohne Verantwortung. Eine einzige Stunde, in der nicht die Verantwortung hinter all meinen Gedanken läge. Ein paar Minuten Frieden, während denen ich nicht daran denken muss, dass eigentlich wichtigeres zu tun wäre. Einfach nur ein bisschen Frieden.
Denn bald ist meine Kraft erschöpft.
21.4.14 23:04


Es gibt etwas in mir, einen Teil von mir, ein Wesen in mir, das Entscheidungen trifft. Entscheidungen trifft und tief, tief verankert in mir drin, tief in meinem Herzen. Ich weiß nicht, wie es passiert oder warum es dieses und nicht jenes ist. Aber ist die Entscheidung erst einmal getroffen, so scheint sie mir unumstößlich.
Seit Jahren trage ich nun den Buntfalken in meinem Herzen, obwohl er mir nichts bringt als Schmerz und Verrat. Doch ich kann nicht loslassen, kann nicht aufgeben, das Band nicht durchschneiden. Weil ich einst entschieden habe, dass er in mein Leben gehört. Es ist nicht rational. Mein Verstand schüttelt mich, schlägt mich, schreit mir ins Gesicht, und auch wenn ich weiß, dass ich fort muss von diesem Menschen, bin ich doch nicht sicher, ob ich es jemals schaffen werde. Ob ich jemals diese eine Entscheidung werde umstoßen können. So oft hat er mich schon zerbrochen. Vielleicht endet es, wenn ich mich nicht mehr zusammensetzen kann.
20.4.14 16:26


Niemand kann etwas dafür, wenn ich mich wie ein Versager fühle, oder? Niemand kann etwas dafür, wenn mein Leben nicht so läuft, wie ich mir das einst vorgestellt habe, oder? Niemand kann etwas dafür, dass ich im Chaos versinke, einsam und allein ertrinke, oder? Niemand kann etwas dafür, dass ich mich einfach nicht unter Kontrolle bekomme, diszipliniere, oder? Niemand kann etwas dafür, dass ich nicht einfach glücklich bin mit dem, was ich habe, oder? Niemand kann etwas dafür, dass ich mehr will und dennoch unfähig bin es anzunehmen, wenn mehr vor mir steht, oder? Niemand. Außer mir selbst.
29.3.14 15:17


Noch immer sind die Schwäne da. Jeden Tag fahre ich an ihnen vorbei. Doch wenn sie mir am Anfang Hoffnung brachten, so scheinen sie mich nun zu verhöhnen. Sie erinnern mich täglich daran, was ich nie haben werde.
6.3.14 19:06


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