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Heute Mal ein bisschen anders.

Den Großteil des Tages bin ich stark und unabhängig. Ich weiß, das wird hier nicht unbedingt deutlich, aber es ist so. Tagsüber treffe ich Entscheidungen, die manchmal Sieg oder Niederlage bedeuten können. Die Konsequenz schwebt die ganze Zeit im Hinterkopf, aber es ist eine Verantwortung, der ich mich gewachsen fühle. Zumindest die meiste Zeit.
Hin und wieder aber, wenn wieder alles auf einmal kommt wie in den letzten Wochen; hin und wieder, wenn Entscheidungen und Aufgaben von jeder anderen Seite auch auf mich einprasseln, dann bedeutet es vor allem großen Kraftaufwand. Ich bin bemüht, wirklich bemüht, es allen recht zu machen. Aber mitunter - das wiederum dürfte hier sehr deutlich geworden sein - fehlt mir die Energie und ich versage im Persönlichen, denn dort fällt es am wenigsten auf.
Manchmal dann, wenn es wieder soweit war - und in den letzten zwei Wochen gab es kaum einen Tag, an dem ich gewonnen hätte - frage ich mich, ob es nicht leichter wäre, wenn ich weniger unabhängig wäre. Weniger selbstständig. Wenn ich nur täte, wie mir geheißen, ohne nachzudenken. Wenn ich wieder bei meiner Mutter einzöge und entlastet wäre von Haushalt, Einkauf, Wäsche, diesem ganzen schrecklichen Alltag. Wenn ich einen Partner hätte, der mich auffinge nach Tagen wie diesen, statt dass ich sie alle fortstieße. Ja, vielleicht geht es mir heute wirklich um die Frage, ob ich mit allem tatsächlich so allein sein muss oder ob ich mir nicht einfach das Leben selber schwer mache.
Mein Beruf ist physisch und psychisch fordernd mit unklarem Feierabend und (nicht zuletzt durch meinen zusätzlichen Nebenjob) unregelmäßiger Freizeit. Zudem habe ich Verpflichtungen meinen Haustieren und meiner Familie gegenüber. Wenn man von meinem Chef absieht, sind außer mir noch sieben weitere Angestellte in meinem Betrieb. Keiner von ihnen ist allein. Keiner von ihnen kehrt heim in eine leere Wohnung mit der Gewissheit, dass zum einen niemand dort ist, mit dem man den Tag besprechen kann, und dass zum andern auch noch jede Menge anderer Arbeit wartet. Keiner von ihnen ist allein.
Dass ich es bin, war eine Entscheidung, die ich vor geraumer Weile getroffen habe, hinter der ich immer stand, die aber zunehmend ins Wanken gerät. Ich wählte so, weil meine Zeit eben begrenzt ist und ungewiss. Es wäre doch unfair dem anderen gegenüber. Und ich wusste, dass ich Erwartungen haben würde. Zum Beispiel Unterstützung und Kraft, wenn sie mir fehlt. Wie könnte ich sie verlangen, wenn kaum Zeit wäre, um sie zu rechtfertigen? Und wenn er Unterstützung bräuchte? Ich könnte nicht garantieren, dass ich es leisten kann.
Die Jahre haben mich vorsichtig gemacht, einem Menschen zu vertrauen als meinem Partner fällt mir schwer. Denn bislang traf mein Misstrauen nicht einmal fehl. Wie gerne würde ich jemanden kennen lernen und ihm einfach vertrauen können. Vertrauen, dass er ist, wer er zu sein vorgibt, und dass er an mir schätzt, was er behauptet. Vielleicht würde der Rest dann ganz einfach sein. Wenn es sich harmonisch ineinander fügt, dann mögen Zeit und Unterstützung vielleicht gar kein Problem mehr sein. Doch die Angst vor Misstrauen schirmt mich ab. Lange Zeit war ich ihr dankbar dafür, doch heute Abend frage ich mich, ob ich sie nicht ablegen sollte. Wenn ich es überhaupt noch kann.
Wenn Alleinsein in den letzten Wochen mich gestört hat, dann habe ich mir immer gesagt, dass es ja nicht für ewig sein muss. Diese schwierige Zeit wird enden. Der erste Meilenstein wird im Juni hinter mir liegen, dann kann ich aufatmen und mich neu orientieren. Doch die Lebensplanung geht ja weiter und in spätestens zwei Jahren wird es (hoffentlich) wieder schwierig. Dann aufgrund von räumlicher Distanz. Wäre es dann wirklich fair, wenn ich jetzt jemanden an mich bände, den ich schließlich doch wieder verlassen muss? Und auch hier: vielleicht wäre das alles ganz einfach, wenn man den Richtigen träfe. Doch die Vorsicht ist starke Abwehr, ich würde es kaum erkennen.
Natürlich habe ich Ansprüche, habe ich Erwartungen. Doch die Wahrheit ist, dass ich mich niemandem antun möchte. Mein Leben und ich, wir sind so kompliziert, so anstrengend, ich glaube nicht, dass das jemand verdient hat. Sie haben doch alle keine Ahnung. Es sieht doch heute keiner mehr wirklich hin. Was sie alle anzieht, ist das Taggesicht und nicht mehr. Sie wollen doch gar nicht wissen, ob dort auch noch Schwäche ist oder Ängste. Seien wir doch ehrlich, eigentlich möchte sich das doch niemand mehr aufladen, es hat doch jeder schon genug an seinem eigenen Päckchen zu tragen. Sie verlieben sich in mich aufgrund der Stärke und Unabhängigkeit, ohne zu wissen, dass ich genau dieses am liebsten aufgeben würde. Wie könnte ich es jemandem antun?
Mir scheint, ich will heute zu keinem vernünftigen Resümee kommen. Das Alleinsein habe ich satt, aber ich sehe keinen Ansatz es zu jederman Wohlbefinden zu ändern. Vorschläge werden gerne angenommen, aber vielleicht kommt mir die Erkenntnis ja auch an einem anderen Abend.
6.2.13 22:27
 


bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Andreas / Website (7.2.13 06:45)
Oh, ein ganz anderer Text dieses Mal, und - wie könnte es anders sein - natürlich fällt dem Frosch einiges dazu ein. Ich glaube zunächst dass es die Entscheidung deines Gegenüber ist, sich auf dich einzulassen oder nicht, und auch seine Verantwortung. Dafür musst du dich nicht verantwortlich fühlen oder dir deswegen Gedanken machen. Und um von mir zu sprechen, mich zieht das Tagesgesicht nicht an, sondern eben das andere, die Schwäche, die Ängste, das macht schön, liebenswert und attraktiv in meinen Augen. Wer sich darauf einlassen mag wird etwas wundervolles bekommen. Und auch das liegt nicht in deiner Verantwortung. Inwieweit jemand natürlich deinen Ansprüchen und Erwartungen gerecht werden kann kann keiner einschätzen; wenn du es riskieren willst musst du es ausprobieren und mit Niederlagen rechen, möglicherweise. Auch ob er ist wie er ist oder etwas vorgibt zu sein musst du selber herausfinden; aber dieses Risiko ist immer da wenn man sich auf jemanden einlassen möchte. Was ich sagen möchte ist einfach dass du nur die Verantwortung für das übernehmen solltest was auch in deiner Verantwortung liegt. Du musst nicht zusätzlich die Verantwortung für dein Gegenüber tragen oder dir darum Gedanken machen; sei du! Kannst du ihn aufgrund deiner Lebenssituation nicht unterstützen ist es so. Er kommt damit klar, oder nicht, oder er braucht vielleicht gar keine Unterstützung. Wer sich auf dich einlässt muss halt das berücksichtigen. Und nun, wo deine Verantwortung sich etwas reduziert hat auf dich selbst, kannst du vielleicht anders und neu überlegen, wenn du magst. Und diese Tyara hier, so wie ich sie erlebe, die ist oh, niemals und ein Hauptgewinn, und ich habe sie gern. Für diesen Menschen würde es sich lohnen dazusein, und sich auf sie einzulassen. Liebe Grüße!

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